Angepinnt Woran erkenne ich einen seriösen Züchter?

  • Woran erkenne ich einen seriösen Züchter?

    Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung von Thorben zur Verfügung gestellt
    Hallo,

    grundsätzlich gilt, dass man sich genau überlegen sollte, bei wem man sich seine Welpen holt. Der ausgesuchte Züchter sollte genau unter die Lupe genommen werden.
    Man sollte sich alle Alttiere und die Unterbringung der Frettchen und der Welpen zeigen lassen. Sich darüber aufklären lassen, wie die Aufzucht der Welpen (Haltung, Futter, Sozialisierung, Erziehung…) abläuft und was der Züchter über die Abstammung seiner Zuchttiere erzählen kann. Abgabetiere, Frettchen aus Zoohandlungen oder Tiere ohne Stammbaum haben grundsätzlich nichts in der Zucht zu suchen, da man keine Inzucht und keine vererbbaren Krankheiten ausschließen kann. Ein Stammbaum ist natürlich keine Garantie für gesunde Welpen, jedoch senkt er das Risiko für genetische Defekte und Inzucht.
    Der Stammbaum sollte nicht nur aus ein paar Tieren bestehen - so etwas ist mal schnell erfunden - sondern es sollten auch noch wichtige Daten zum Tier darin auftauchen. Wie zum Beispiel der Name des Tieres, Zwingernamen, Geburtstag, Felloptik, Züchter und Besitzer sowie ggf. die Chipnummer. Tiere sind schnell erfunden, bei Zwingernamen und Menschen ist dies schon schwieriger, da man dadurch den Stammbaum gut zurückverfolgen und überprüfen kann.
    Von den Zuchttieren sollten mind. die Großeltern bekannt sein.
    Sollte eine Homepage vorhanden sein, so hat der Züchter keine Probleme damit, die Herkunft seiner Zuchttiere sowie weitere Daten über diese auf dieser preiszugeben.

    Alle Zucht- und Alttiere des Züchters sind gegen Staupe (und Tollwut) geimpft.
    Besonders bei der Zuchtfähe ist es wichtig, dass diese einen Impfschutz aufweist, da sie nur so die schützenden Antikörper über die Milch an die Welpen weitergeben kann. Die Fähe sollte beim ersten Decken ein Mindestalter von 10 Monaten aufweisen!

    Die Anzahl der Welpen und der Alttiere sollte überschaubar sein. Pro Zucht sind etwa 1 bis 3, max. 4 Würfe als ausreichend anzusehen.

    Sollte mit einer LH-Fähe gezogen werden, so sollten zwei Ammen (Kurzhaar und/oder Halblanghaar) parallel dazu eingedeckt werden. Diese unterstützen dann die LH-Fähe in der Aufzucht der Welpen, da es möglich ist, dass die LH-Fähe keine Milch geben kann.
    In der Langhaarzucht sollte bei den Tieren auf eine korrekt geformte Nase (ohne Haare und ohne Nasenspalte) und eine normale Laktation der Fähen hingearbeitet werden.
    Anfänger sollten auf jeden Fall Abstand von der Zucht mit einer LH-Fähe nehmen!

    Die Ranz (Paarungszeit) von Frettchen beginnt ca. Anfang Februar. Welpen werden etwa in der Zeit von Mitte März (frühe Welpen) bis Ende Juli (späte Welpen) geboren. Dies liegt daran, dass es sich bei Frettchen um ein Raubtier handelt, das vom Wildtier (Iltis) abstammt und sie eine „feste“ Paarungszeit haben.
    Ein seriöser Züchter deckt seine Fähe bis spätestens Ende Mai/Anfang Juni ein, damit die Jungtiere im kommenden Frühjahr keine Probleme mit einer zu zeitigen Ranz bekommen. Auch sollte nicht vor Februar eingedeckt werden.
    Bei Welpen, die außerhalb dieser Zeit geboren werden, wird oft durch die Regelung der Temperatur und der Lichtverhältnisse oder auch durch Hormongaben nachgeholfen um die Fähen so künstlich in die Ranz zu bekommen um sie einzudecken. Oder Fähen ziehen in einem Jahr zwei und mehr Würfe auf.
    Ein Züchter, der auf die Gesundheit seiner Tiere und Welpen achtet, wird es vermeiden eine Fähe nach Mitte Juni einzudecken - diese Welpen kämen dann erst im August zur Welt. Dies ist jedoch auch schon sehr spät und kann (vor allem bei Fähen) zu Problemen mit der ersten Ranz im kommenden Frühjahr führen.
    Sollte die Fähe eine Fehlgeburt erleiden oder die Welpen versterben, so deckt ein seriöser Züchter sie im selben Jahr nicht wieder ein. Ein erneutes Eindecken kommt nur bei Nichtaufnahme in Frage.

    Kein Versand von Welpen, keine Abholung durch Dritte!

    Auch ist es wichtig zu wissen, was die Welpen mit ins neue Heim bringen:

    - gesund und frei von Parasiten
    - Abgabe frühestens ab vollendeter 10. Woche
    - keine Abgabe in Einzelhaltung
    - richtig hochwertig und artgerecht aufgezogen
    - vorerzogen, nicht bissig
    - an Menschen gewöhnt, positive Erfahrungen gesammelt
    - möglichst stubenrein
    - gechippt und gemeldet
    - geimpft + Impfpass (gegen Staupe mit 10 Wochen, auf Wunsch mit 12 Wochen gegen Tollwut)
    - tierärztlich untersucht (Gesundheitszeugnis)
    - Stammbaum, wo der Züchter was zu erzählen kann
    - der Züchter steht vor, während und auch nach der Anschaffung hilfreich zur Seite-
    - die Tiere werden ggf. zurück genommen
    - Sonstiges: Schutzvertrag, Futterpaket, Foto-CD, Infomappe, Spielzeug…


    Seriöse von nicht seriösen Züchtern zu unterscheiden ist nicht ganz einfach, aber es ist machbar. Dies kann man nicht nur vom Zeitpunkt der Geburt oder dem Preis der Welpen abhängig machen. Jedoch sollten auch keine (oder zumindest keine allzu großen) Preisunterschiede anhand der Felloptik oder des Geschlechts der Welpen gemacht werden. Auch sollte der Preis in Relation zur Aufzucht stehen.
    Auf jeden Fall sollte man mindestens zweimal hinfahren (eventuell muss man auch mal längere Fahrten in Kauf nehmen) und sich auch wirklich alles zeigen lasen. Es ist wichtig sich vorher umfangreich über Frettchen und Frettchenwelpen zu informieren, damit man den Züchter "ausquetschen" kann und unterschieden kann, ob er einem die richtigen Dinge oder nur Quatsch erzählt.

    Die Frettchen sollten sauber und gepflegt wirken. Die Räumlichkeiten sollten hell und sauber sein, auch sollten die Käfige, Klos und die Kuschelsachen sauber sein.
    Die Tiere werden nicht auf Kleintierstreu oder in Kleintierkäfigen gehalten! Frettchen sind keine Käfigtiere!

    Ein seriöser Züchter zeigt den Welpeninteressenten alle Bereiche, in denen seine Tiere untergebracht sind, nicht nur einen "Vorzeigebereich". Also auch diese, wo Alttiere und auch die Zuchtrüden untergebracht sind. Auch diese brauchen eine entsprechende Unterbringung während der Ranzzeit! Sollte sich ein Zuchtrüde in der Ranz gar nicht vergesellschaften lassen, so sollte man an das Wohl es Tieres denken und ihn (ggf. nach dem Decken) kastrieren lassen.
    Ausnahme: Mamas mit sehr kleinen Welpen, diese möchten lieber ihre Ruhe haben!

    Außerdem werden auch "ausgediente" Zuchttiere kastriert und behalten und genießen dann ihr "Rentner-Dasein" in der Gemeinschaft (spätestens mit 4 Jahren).
    Ausnahme: Ein Tier versteht sich nicht mit der Gruppe und wird daher in gute Hände abgegeben.
    Wenn ein (angeblich langjähriger) Züchter nur 1 oder 2-jährige Frettchen hat, sollte man skeptisch werden, da es hier wohl mehr um die Zucht als um das einzelne Tier geht!
    Eine Fähe kann in ihrem Leben bis zu 3, max. 4 Würfe aufziehen - danach sollte sie kastriert werden. Die Kastration erfolgt spätestens im/nach dem 4. Lebensjahr. Pro Jahr sollte eine Fähe nur einen Wurf aufziehen.
    Eine dauerhafte Einzelhaltung von Zuchtrüden kommt nicht in Frage. Sollte sich ein ranziger Rüde nicht mit anderen ranzigen Rüden oder kastrierten Tieren vergesellschaften lassen, so sollte der Züchter ihn spätestens nach einer Zuchtsaison kastrieren.

    Welpen sollten nie in der Zoohandlung oder beim Groß-/Massenzüchter sowie Tierparks oder ähnlichem - wo es meist eine unkontrollierte Vermehrung gibt - erworben werden! Bei diesen Welpen ist nicht klar, wie sie aufgezogen wurden und ob ihre Vorfahren gesund und nicht miteinander verwandt waren. Auch stammen diese Tiere leider oft vom Großzüchter und sind leider eine Massenware.
    Ein seriöser Züchter verkauft seine Welpen auch nicht an Zoogeschäfte oder in Großzuchten!


    Natürlich spielt in diesem Beitrag meine persönliche Einstellung zur Zucht eine große Rolle. Welche der genannten Punkte einem selbst wichtig sind, muss jeder nach eigenem Ermessen selbst entscheiden!

    lg

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von bluelagoon ()